Bereits Hippokrates beschreibt und behandelt " wenig verschobene Wirbel " und bringt sie unter anderem in Verbindung mit internistischen Krankheitsbildern.
Wiederholt betont er, daß es notwendig ist, die Wirbelsäule gut zu kennen, da viele Erkrankungen mit ihr in Zusammenhang stehen und daher ihre Kenntnis für die Behandlung notwendig sei.
Bis in die Zeit der beiden Weltkriegen waren in Europa die Knochenbrecher oder Knochenrenker mit überlieferten sogenannten Bauerngriffen bekannt. Das Ausheben, das Übers-Knie-Ziehen oder das Laufen eines Kindes auf dem Rücken des im Heu Liegenden sollten helfen, "verrenkte " Knochen wieder einzurenken.
Anfang der 50´er Jahre fand sich eine Gruppe von sechs Physiotherapeuten in Norwegen zusammen ( O. Hagen, O. Holten, E. Hansen, H. Froset, F. Kaltenborn und R. Stensnes ) , die gemeinsam die Erkenntnisse von J. Menell , J. Cyriax und A. Stoddard zur Einheit der Manuellen Therapie ausbauten. 1958 kam es durch persönliche Kontakte der Norweger mit der ärztlichen Forschungs- und Arbeitsgemeinschaft für Chiropraktik (FAC) in Deutschland.
Während sich heute in Deutschland die Wege getrennt haben- die Ärzte betreiben Manuelle Medizin (Chirotherapie), die Krankengymnasten ( Physiotherapeuten) Manuelle Therapie- läuft in anderen Ländern die Entwicklung umgekehrt.
In Norwegen erreichte die NORDISK SPESIALGRUPPE FOR MANUELL TERAPIE der norwegischen PHYSIOTERAPEUTEN die wissenschaftliche Anerkennung und Eingliederung in die Universitätsausbildung mit eigenen Dozenten; sie ist seit dem 01.01.89 als Hochschulausbildung für Physiotherapeuten und Ärzte anerkannt.
( aus Manuelle Therapie von Alf A. Brockmeier )

Die Ziele der manuellen Therapie sind das Auffinden und Behandeln von Fehlfunktionen ( Schmerz, Hypo- oder Hypermobilität ) am Bewegungsapparat mit dem Ziel des Erhalts oder der Wiederherstellung normaler Funktion im Gelenk und aller funktionell und strukturell damit verbundenen Geweben.
Bei der Untersuchung werden die Qualität der Bewegung ( das Bewegungsausmaß) , das Endgefühl , der Funktionszustand der Muskulatur bewertet und der einzelne Muskel palpiert. Besonderes Augenmerk wird auf die Schmerzanamnese gelegt, d.h. was, wann, und wie es schmerzt und wodurch es ausgelöst bzw. gelindert werden kann.
In der Behandlung werden durch Zug ( Traktion) am Gelenk , durch physiologische Bewegungen ( mobilisieren ), schnelles vibrieren (oszillieren) die Schmerzen gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Ernährung / Versorgung der Strukturen im Gelenk verbessert.